Sonntag, 20. Oktober 2019

The beautiful Seeres

Bei einer Kletterei nahe der Gramaialm lässt sich der schöne Herbst in vollen Zügen genießen. Soweit war zumindest der Plan von Melanie und mir heute. Etwas mehr Sonne hätten wir vertragen, ansonsten ging unser Plan aber gut auf. Mittlerweile waren wir hier heroben schon genug Touren gegange, sodass wir den Zustieg ohne größere Umwege fanden. In den ersten drei Seillängen dominierte gestuftes Gelände in einem ausgewaschenen Bachbett mit kurzen, netten Kletterstellen in großteils kompaktem, doch gelegentlich auch splittrigem Fels. Deutlich schöner waren da schon die letzten beiden Seillänge, wo das Gelände aufsteilte und etwas anhaltendere Kletterei bot. Insbesondere der Beginn der letzten Seillänge machte richtig Spaß mit kreativer Kletterei in kompaktem Fels.
Am stürmischen Ausstieg hielten wir uns nicht lange auf. Da war Schuhe umziehen und abseilen angesagt. Die letzten beiden Seillänge konnten wir mit unseren 60 Meter Halbseilen auf einmal abseilen. Daher schafften wir es in insgesamt vier Abseilfahrten zurück zum Einstieg. In dem schottrigen, gestuften Gelände kam beim Seil abziehen meist einiges an Schotter mit. Trotz der brauchbar platzierten Stände und unserer Vorsicht beim Abziehen, schepperte es immer wieder am Helm. Bis auf den einen oder anderen kleinen Kratzer im Helm hinterließ der Schotter aber keine bleibenden Spuren. Dennoch ließen wir den Helm auch wärend des kurzen Abstieg zum Auto auf dem Kopf.
Die Tour 'The beautiful Seeres' ist eine kurze, nette Kletterei mit lohnendem Finale. Als gemütliche Halbtagestour für den Herbst kann man der malerischen Landschaft schon mal einen Besuch abstatten.

Sonntag, 15. September 2019

Vierrinngrat

Nach dem langen gestrigen Tag blieben wir heute ein bisschen zu lang im Bett. Daher schafften Melanie und ich es nicht ganz rechtzeitig zum Parkplatz bei Arturhaus, wo uns Bernadette schon erwartete. Auch heute durften wir ein traumhaftes Herbstwetter genießen. Von der Mitterfeldalm hatten wir einen herrlichen Blick auf die Nebelsuppe im Tal, aus der sich das Tennengebirge, der Gosaukamm und der Dachstein erhoben. Die Sonne hatte noch erstaunlich viel Kraft, wodurch sich der Zustieg schweißtreibender gestaltete als gedacht. Vermutlich etwas schrofiger als nötig erreichten wir den Einstieg zum Vierrinngrat. Das nette Einstiegswandl und die herrlichen Wasserrillen im unteren Abschnitt machten schon mal Lust auf mehr. Perfekter, kompakter, rauer Kalk und nette Kletterei, was will man mehr? Abwechslungsreich war die Tour auch noch, in der fünften Seillänge erwartete uns eine kurze Verschneidung mit kaminartigem Ausstieg, in dem ich mit Rucksack fast ein bisschen zu dick war. Im weiteren Tourenverlauf mischte sich die eine oder andere splittrige Passage dazu. Das war aber eher die Ausnahme und dank der guten Absicherung sowieso kein Problem. In der vorletzten Seillänge erwartete uns noch die markante Schlüsselstelle. Der glatte Bauch löste sich mit den herrlichen Henkeln und einem hohen Fuß gut auf und so standen wir bald am Gipfel.
Heute hatten wir keinen Stress und so konnten wir in aller Ruhe bei traumhaftem Wetter jausnen und Landschaft genießen. Die beiden Abseilstellen waren schnell gefunden und auch der restliche Abstieg war bald geschafft. Bei der Mitterfeldalm gönnten wir uns noch einen Kaiserschmarrn-Zwischenstopp ehe es gestärkt nach Hause ging.
Der Vierrinngrat ist eine wirklich schöne und abwechslungsreiche Tour in großteils kompaktem Hochkönigkalk. Dank der guten Absicherung und der eher mäßigen Schwierigkeiten eignet er sich vermutlich recht gut als erstes Hineinschnuppern in das alpine Ambiente der Mandlwänd.

Samstag, 14. September 2019

B'hofenerloch

Motiviert starteten Melanie und ich heute gegen 5 Uhr beim Birgkar-Parkplatz unterhalb der Stegmoosalm in Richtung Hochkönig Südwand los. Ganz sicher waren wir uns nicht, ob wir den Weg im Finstern richtig erwischt hatten. Als die Sonne sich dann zeigte, half uns das auch nicht allzu viel, da sich die Südwand meist in Nebel hüllte. Bis in die Nähe des Einstieges trafen wir aber dennoch ziemlich gut. Auf den letzten paar Metern zum Einstieg ließen wir aber noch fast eine Stunde liegen, da sich die Struktur die den Einstieg auszeichnete alle paar hundert Meter wiederholte. Eine Schlucht und einen Pfeiler links davon der nach 5er Gelände ausschaut gibt es dort nicht gerade selten. Nach einiger Sucherei erkannten wir, dass wir im Nebel bereits zu hoch gestiegen waren und fanden einige Meter links unter uns den ersehnten Stand am Einstieg. In der Tour selbst ging es bezüglich Wegfindung recht gut voran und wir kamen ohne große Verhauer zum Terassenfirst im Mittelteil. Bis dort hin war die Kletterei zwar immer wieder recht schön. Es mischten sich aber auch splittrige Abschnitte mit hinein. Die Absicherung war etwas inhomogen. In manchen relativ leichten Kletterabschnitten waren überraschend viele Haken wo hingegen in anderen, auch schwereren Bereichen nicht viel zu finden war. Der eher plattige, splittrige Fels bot auch nicht allzu viele Möglichkeiten zur Aufbesserung, was im Grunde aber auch nicht wirklich nötig war, da zumeist schon reichlich Haken vorhanden waren. Zu Beginn der zweiten Hälfte ließ ich gleich mal ordentlich Zeit liegen, da ich den Stand nach der zehnten Seillänge deutlich zu früh machte. Anscheinend sind in dieser Seillänge doch ein paar mehr Haken wie im Topo eingezeichnet und so verpulverte ich einige Zeit damit, die richtige Linie in der elften Seillänge zu finden. Dank des zu frühen Standes hatte ich am Ende der elften Seillänge ziemlich mit der Seilreibung zu kämpfen. Danach lief es wieder ganz gut und auch die bemerkenswert brüchige dreizehnte Seillänge löste sich schön auf. Man musste nur die festen Henkel finden. Wenig später erreichten wir das mächtige und beeindruckende Höhlenportal. Auch wenn es an und für sich klar sein hätte sollen, ich war trotzdem überrascht, dass der Fels in der Höhle nass war. Das störte mal mehr und mal weniger, allgemein nagte es aber ziemlich an meiner Moral. Dass ich direkt vor der Schlüsselseillänge in der nassen Höhle keinen wirklich brauchbaren Stand bauen konnte, machte die Lage auch nicht gerade entspannter. Ein bisschen Zeit und Platz im Kopf zum Aufsaugen der ungewöhlichen und beeindruckenden Stimmung in der Höhle war aber trotzdem vorhanden. Von oben drang aus der Ferne schon der Schimmer des Ausstieges herab und nach unten erkannte man immer noch das Höhlenportal. Eine derartige Stimmung hatte ich noch nie erlebt, wirklich ein Erlebnis. Nachdem ich die Stimmung aufgesaugt hatte, hieß es vollste Konzentration in der nassen, glatten Verschneidung zu Beginn der sechzehnten Seillänge. Auch wenn in jeder Ecke der Höhle ein bisschen Tageslicht hereinschimmerte, half es mir trotzdem sehr, dass Melanie mir von unten mit der Stirnlampe leuchtete. Die Hakenabstände kamen mir hier eher weit vor, hin und wieder konnte man aber ganz gut ergänzen. Vielleicht fand ich im Halbdunkel auch nicht alle Haken. Vor lauter Konzentration auf den nassen Fels übersah ich den Stand und machte erst ein paar Meter darüber bei einem Bohrhaken und einem Klemmblock Stand.
Die restlichen Meter aus der Höhle hinaus lösten sich gut auf und wurden immer trockener. Zurück im Sonnenschein hatten wir die abenteuerliche Kletterei schließlich hinter uns. Der Tag war aber noch nicht zu Ende, es wartete noch der lange Abstieg auf uns. Beim Matrashaus wurden unsere Mühen mit einer fast schon kitschigen Sonnenuntergangs-Stimmung belohnt. Im letzten Tageslicht fanden wir die Abzweigung zum Birgkarsteig und suchten uns ein paar Meter unterhalb ein windschattiges Plätzchen, um unsere noch verbliebene Jausen zu genießen. Gestärkt und mit Stirnlampen bewaffnet kamen wir gut voran und erreichten bald das Ende des schrofigen Abschnittes. Dort wurden wir aber von einem immer noch gewaltigen Altschneefeld überrascht. Um diese Uhrzeit war es klarer Weise hart gefrohren, was den Abstieg mit unseren Zustiegsschuhen und ohne Steigeisen nicht gerade erleichterte. Am Rand des Schneefeldes ging es aber zumeist recht gut voran und bald hatten wir auch diese Hürde überwunden. Nun trennte uns nur noch der nicht enden wollende Wanderweg vom Auto. Doch weder der, noch eine Kuh die uns nicht vorbei lassen wollte, hinderten uns daran, die Tour noch vor Mitternacht zu Beenden. Erschöpft und glücklich sank ich bald darauf ins Bett.
Die Tour B'hofenerloch ist definitiv ein Highlight meiner bisherigen Tourensammlung. Weiterempfehlen würde ich sie aber nur abenteuerlustigen und Mental fitten Kletterern. Die Kletterei selbst ist großteils nicht allzu berauschend, da lässt sich im Hochkönig ganz leicht deutlich Schöneres finden. Dennoch ist das Ambiente und die nach oben hin zunehmende mentale Komponente in Kombination mit dem atemberaubenden Höhlen-Finale ein unvergessliches Erlebnis.

Sonntag, 1. September 2019

Predigtstuhl Nordkante

Vom leichten Nieselregen bei der Anfahrt ließen Melanie und ich uns nicht abschrecken. Einen allzu freundlichen Eindruck machte das Wetter beim Losgehen von der Griesner Alm zwar nicht, laut Wetterbericht sollte es aber am Vormittag besser werden ehe gegen Abend Regenschauer prognostiziert waren. Der Eggersteig führte uns in die Steinerne Rinne und bald auch zum Einstieg. Wir wählten nicht den Originaleinstieg sondern gingen den Eggersteig noch ein paar Kehren weiter bis wir zum Start der ebenfalls sanierten und angeblich lohnenderen Einstiegsvariante kamen. Ein bisschen Sucherei später fanden wir den Klebehaken am Einstieg und es konnte los gehen. Ganz einfach tat ich mir mit der Wegfindung heute nicht, vielleicht auch weil unser Topo nicht allzu detailreich war. Ein paar Simultan-Seillängen und etwas Reibungskampf später standen wir unterhalb des ersten Steilaufschwunges. Der Quergang nach links um die Kante in eine Rissverschneidung war zwar schon ziemlich poliert, löste sich aber dennoch ganz gut auf. Der Rest des Steilaufschwunges inklusive der darauffolgenden Rissverschneidung war wirklich herrlich. Der Plan, im Anschluss wieder simultan zu Klettern wurde dank viel Seilreibung bereits recht bald auf dem grasigen Zwischenstück gestoppt. Danach nahmen wir aber wieder ein wenig Fahrt auf, auch wenn wir heute irgendwie recht viel Zeit mit der Liniensuche verbrachten. Als wir in der Scharte am Grat ankamen, ließ ich mich von einem Schlaghaken zur falschen Linie verführen und ging das nette Band westlich des Grates hinauf anstatt der Originallinie weiter östlich zu Folgen. Am Ende des Bandes besserte ich den Schlaghaken-Stand mit einem Friend auf. Der von dort direkt nach oben ziehende Riss war zwar wirklich schön, doch defininitiv deutlich schwerer als der laut Topo erwartete Zweier. Ein paar leichtere Klettermeter später fanden wir wieder zur Originallinie zurück. Das Oppelband ließen wir uns nicht entgehen. Eigentlich dachte ich immer, dass ein Kriechband etwas schreckliches wäre. Irgendwie machte es aber sogar ein bisschen Spaß auf dem Bauch liegend ein paar Meter zu kriechen. Lang war die Kriechstelle ohnehin nicht und eine weitere schöne Seillänge später standen wir am Predigtstuhl Nordgipfel.
Das Wetter wirkte nicht besonders einladend, also machten wir uns auf den Weg zum Botzong-Kamin. An massiven Abseilringen seilten wir 3x ab ehe es in leichter Kraxelei zurück zum Eggersteig ging. Am Ende der Steinernen Rinne testeten wir heute mal den Steig der direkt zur Griesner Alm absteigt. Es braucht zwar deutlich mehr Konzentration aber erspart dafür einiges an Extrametern. Ob es sich zeitlich auszahlt ist schwer zu sagen und hängt wohl davon ab, wie schnell man in leichter Kraxelei unterwegs ist. Bei Regen ist der Steig jedenfalls nicht ehmpfehlenswert. Wir kamen heute aber gerade noch trocken zurück zum Auto. Als wir losfuhren begann es zu Regnen, also perfektes Timing.
Die Nordkante auf den Predigtstuhl ist eine wirklich schöne, klassische Führe in großteils kompaktem und manchmal sogar schon ein wenig abgekletterten Fels. Gerade am Oppelband ist man aber froh, dass der Fels über den der Bauch geschoben wird schon etwas abgespeckt ist. Die Wegfindung ist nicht immer ganz leicht und birgt einiges Potential für Verhauer. Nur weil wo Schlaghaken zu finden sind muss es nicht zwangsläufig die richtige Linie sein.

Samstag, 31. August 2019

Watzmann Ostwand Berchtesgadener Weg

Die Watzmann Ostwand - ein ganz großer Ostalpen-Klassiker. Natürlich stand diese namhafte Wand und der Berchtesgadener Weg als bekanntester Durchstieg durch die Wand bei Melanie und mir schon lange auf der ToDo-Liste. Heute passte einfach alles zusammen und wir waren vor allem in genau der richtigen Stimmung für diese Tour. Da störte es nicht einmal, als um 0:00 Uhr der Wecker läutete. Nach Frühstück und Anfahrt ging es um kurz nach 2:00 Uhr vom Parkplatz Hammerstiel bei sternenklarem Himmel los. Trotz der frühen Uhrzeit war es erstaunlich warm und schwül und ich kam am ersten Anstieg des Tages bis zur Kührointhütte gut ins Schwitzen. Der Abstieg über den Rinnkendlsteig nach St. Bartholomä ließ mein T-Shirt wieder ein bisschen auftrocknen, auch wenn ich im Licht der Stirnlampe etwas mehr herumstolperte als normal. Bei der Waldkapelle St. Johann und Paul setzte die Dämmerung so richtig ein und als wir bei der Eiskapelle ankammen, konnten wir Stirnlampe gegen Helm tauschen. Dank unserer Zusatzstrecke waren wir so ziemlich die letzten, die in die Wand einstiegen. Doch das änderte sich bald. Die ersten beiden Bergsteiger überholten wir kurz vor der ersten Plattenstelle, die etwas ungut glitschig-nass war. Auf die nächste größere Menschenansammlung trafen wir oberhalb des ersten großen Schuttkares, wo die lustige Kraxelei so richtig los ging. Oberhalb der Wasserfallwand hatten wir dann wieder freie Bahn und stiegen motiviert in die darauffolgende Rinne ein. Dort gelang uns der erste Verhauer des Tage. Wir ließen uns von einem Steinmann nach rechts verleiten und vermuteten, dass wir uns bereits in der im Topo recht markant eingezeichneten Rechtsschlaufe befanden. Später kamen wir wieder in die Rinne zurück und als wir ihr Ende erreichten, ging dort tatsächlich ein schwaches Band nach links, wie im Topo eingezeichnet. Sogar ein Bohrhaken glänzte uns dort entgegen. Nach wenigen Metern bemerkten wir aber doch, dass das Gelände für den angegebenen Grad zu schwer war. Als uns der Bergführer mit seinen beiden Gästen wieder eingeholt hatte, bekamen wir noch die Bestätigung, dass wir uns jetzte erst am Beginn der Rechtsschleife befanden. Da hieß es abklettern und zurück auf Spur. Im Anschluss kamen wir wieder recht gut voran und ließen den plattigen Bereich unter der Brotzeitplatz Wiese bald unter uns. Eine kleine Zusatzschleife gönnten wir uns noch da ich die im Topo sehr markant eingezeichnete Gipfelschlucht und die anfängliche Umgehung über rechts nicht ganz mit der Realität in Einklang brachte. Doch nach wenigen Metern auf der plattigen Rampe, die wir nach links genommen hatten wurde klar, dass wir doch nach rechts oben mussten und nich nach links. Wenig später kamen wir beim Ostwandbiwak an und gönnten uns eine Stärkung.
Den restlichen Anstieg fanden wir problemlos und auch die Schlüsselstelle war recht nett. Auch wenn ich mir von einer '8-Meter-Schlusswand' eigentlich erwartet hätte, dass man mehr als zwei Züge in einer Wandstelle macht. Aber auch wenn die 8 Meter vielleicht ein bisschen übertrieben sind, eine nette Einzelstelle war es allemal. Kurz vor dem Gipfel tauchten wir in den Massenansturm am Klettersteig ein. Auf der gut besuchten Watzmann-Südspitze hielten wir uns nicht allzu lang auf und hofften auf etwas mehr Ruhe auf der Mittelspitze. Beim Aufstieg in der Ostwand verteilten sich die Bergsteiger eigentlich ziemlich gut und die Tour kam mir gar nicht so schlimm überlaufen vor. Umso größer der Kontrast am Übergang von Südspitze über Mittelspitze zum Hocheck, wo wir fast dauerhaft Gegenverkehr hatten. Immerhin waren alle wirklich nett, freundlich, gut gelaunt und rücksichtsvoll. Am breiten Wanderweg beim Watzmannhaus vorbei wurde es noch mal mehr Gegenverkehr. Wirklich störend war er aber nie. Bei der Falzalm nahmen wir den Falzsteig zurück zur Kührointhütte, von wo es hinab zum Parkplatz Hammerstiel ging. Ob der Abstieg über die Mitterkaseralm gemütlicher gewesen wäre ist schwer zu sagen. So oder so zogen sich die letzten Meter zum Auto noch ganz schön ehe der lange Bergtag ein Ende nahm.
Viel brauche ich wohl nicht zu sagen über diesen Ostalpen-Klassiker. Gefallen hat er mir auf jeden Fall und so schlimm viel los wie befürchtet war auch nicht. Also empfehlen kann ich den Berchtesgadener Weg in der Watzmann Ostwand definitiv. Für unsere Variante ohne Nächtigung in St. Bartholomä ist eine entsprechende Kondition ratsam. Ein kleiner Tip zur Wegfindung: Bis auf die markante Schlüsslstelle ist der richtige Weg recht leichte Kraxelei. Wenn es einem schwierig vorkommt und es ist nicht unendlich poliert an der Stelle, dann ist man ziemlich sicher falsch. In dem Sinne, nicht zu viel von Steinmännern und Bohrhaken verleiten lassen.

Sonntag, 18. August 2019

Großvenediger Nordgrat

Ein letztes Mal durften Melanie und ich das reichhaltige Frühstück auf der Kürsingerhütte genießen. Gestärkt und hoffnungsvoll nahmen wir erneut den Nordgrat des Großvenedigers in Angriff. Bei strahlend blauem Himmel und mit unseren bereits vor zwei Tagen angelegten Spuren erreichten wir den Einstieg zum Grat heute deutlich schneller. Dafür waren wir nicht die Einzigen die die guten und vor allem nahezu schneefreien Bedingungen am Grat nutzen wollten. Als ich auf den ersten Metern des Grates definitiv nicht die leichteste Variante wählte, zogen die anderen drei Seilschaften an uns vorbei. Nach dem etwas vermurksten Start kamen wir aber bis zur Keidel-Scharte gut ins Klettern und es machte richtig Spaß. Der darauf folgende Aufschwung Richtung Torwächter war teilweise etwas bröselig-erdig. Das Gelände war aber einfach genug, sodass das nicht wirklich störte. Zwei Seilschaften hatten in der Meynow-Scharte eine Jausenpause gemacht und ließen uns wieder vorbei. Der darauffolgende Abschnitt in der herrlichen Granitwand links des Grates war der reinste Traum. Kompakter Granit vom Feinsten und anregende Kletterei bei Sonnenschein - was will man mehr. Als wir wieder den Grat erreichten, war ich fast ein wenig wehmütig, dass dieser geniale Abschnitt schon vorbei war. Aber auch der folgende, recht einfache Gratabschnitt war schön. Mehr und mehr näherten wir uns der Schlüsselpassage, in der schon eine gefühlte Ewigkeit eine Seilschaft feststeckte. Bevor der Grat aufsteilte, bastelte Melanie einen Stand und ich bewegte mich langsam in Richtung der Dreierseilschaft. Auf einem Absatz unterhalb der 'bösen Platte' wartete ich, bis es wieder voran ging. In der Zwischenzeit hatten auch die anderen beiden Seilschaften wieder aufgeschlossen und es wurde nett geplaudert. Als die Bahn dann wieder frei war, durfte ich die herrliche und meiner Meinung nach gar nicht böse Platte in vollen Zügen genießen. Durch die üppige Absicherung mit Bohrhaken hat die Platte vermutlich auch einiges an ihrer Boshaftigkeit verloren. Nach dem darauffolgenden kurzen Quergang wurde der Grat wieder deutlich leichter und wir waren in wenigen Minuten am Gipfel.
Auch wenn wir heute nicht alleine am Gipfel waren, die sonnige Jausenpause war trotzdem ein Genuss. Gestärkt ging es über den Gletscher-Trampelpfad und Wanderwege vorbei an der Kürsingerhütte hinab zur Talstation der Materialseilbahn, wo schon unsere Fahrräder auf uns warteten. Einen Zwischenstopp bei der sympathischen Postalm legten wir noch ein, wo wir mit einer köstlichen hausgemachten Frittatensuppe und einem erfrischenden Radler verwöhnt wurden. Anschließend trugen uns die Fahrräder für meinen Geschmack teilweise fast zu schnell hinab zum Auto.
Der Nordgrat des Großvenedigers bietet so ziemlich alles, was man sich von einem schönen Grat erhofft. Er hat eine ansprechende Länge mit vielen leichteren Gratmetern doch auch einigen interessanteren Kletterabschnitten gekrönt von dem herrlichen Finale über die 'böse Platte' und endet direkt auf dem dominantesten Gipfel der Region mit herrlichem Weitblick. Der mit Abstand schönste Abschnitt des Grates ist der Letzte ab der Meynow-Scharte. Dennoch verpasst man definitiv was, wenn man erst hier einsteigt und sich den unteren Abschnitt erspart. Also lautet mein Tipp: Einfach ein bisschen früher aufstehen und den gesamten Grat machen.

Samstag, 17. August 2019

Großer Geiger Ost-West Überschreitung

Nachdem die Nachmittags-Sonne gestern doch noch einigen Schnee aus den Graten herausgeputzt hatte, wollten Melanie und ich heute einen neuen Grat-Touren-Versuch wagen. Dabei fiel unsere Wahl auf die Überschreitung des Großen Geigers. Den Ostgrat soll es hinauf gehen und den Westgrat hinab. Von der Kürsingerhütte startend, erwarteten uns zunächst einige Meter Abstieg. Kurz nach einer Abzweigung in der Senke zwischen Kürsingerhütte und Obersulzbachtörl verloren wir die Wegmarkierungen und suchten uns einen Weg durch die Bäche und das Blockgelände in Richtung Bleidächer. Ich dachte eigentlich, dass der Steig in Richtung Obersulzbachtörl nicht markiert wäre. Doch nach ein wenig lustiger Hüpferei im Blockgelände, fanden wir den ziemlich frisch und gründlich markierten Steig wieder. Dank der fleißigen Wegearbeiter kamen wir über den aufwändig angelegten Wanderweg gemütlich zum Obersulzbachtörl. Dort waren wir zwar einige Meter östlich vom gedachten Einstieg in den Grat, ein paar mehr nette Gratmeter waren uns aber auch recht. Im unteren Abschnitt des Ostgrates kamen wir gut voran und erreichten bald sein Ende. Nun stellte sich uns die Frage, wo denn bloß der Ostgrat weiter ging. Gerade vor uns erkannten wir keinen Grat. Rechts baute sich der Nordgrat auf. Also blieb nur mehr der Grat links von uns. Dazu mussten wir einige Meter nach links gehen. Auf dem vermeindlich richtigen Grat angekommen, stiegen wir durch teils schneebedecktes Blockgelände höher. Der Schnee war kompakt, was das stapfende Vorankommen am Blockgrat recht einfach gestaltete. Im obersten Drittel des oberen Ostgrates erwarteten uns noch einige schöne und großteils schneefreie Kletterstellen. Die kurzen, kompakten Aufschwünge am Grat machten richtig Spaß und leiteten uns schnurstracks zum Gipfel.
Dort genossen wir das herrliche Wetter und die Ruhe in vollen Zügen und machten eine ausgiebige Jausenpause. Erst als wir den technisch leichten Westgrat wieder abgestiegen waren, trafen wir die nächsten Gipfelstürmer des Tages. Bezüglich des weiteren Abstieges waren wir uns noch nicht sicher, ob wir lieber direkt über die Scharte westlich des Großen Geigers hinunter sollten oder doch den Gegenanstieg zum Maurertörl in Angriff nehmen wollten. Eigentlich tendierten wir zum Maurertörl, doch der Bergführer der Gipfelstürmer-Gruppe machte uns den vermeindlich kürzeren Alternativabstieg wieder schmackhaft. Also wagten wir einen Blick aus der Scharte Richtung Norden. Als wir einen Abseilstand hinter dem großen Steinmann fanden, waren wir dann endgültig überzeugt von dieser Abstiegsvariante. Drei Abseilfahten mit jeweils ungefähr 20 Metern Abseilstrecke später standen wir über dem Bergschrund am Gletscher. Da es oberhalb des Bergschrundes teilweise eisig und nicht ganz flach war, sicherten wir uns mit Eisschrauben bis wir am Bergschrund vorbei waren. Durch die kleineren Spaltenzonen weiter unten fanden wir gut durch und trafen bald auf die Spuren, die vom Obersulzbachtörl nördlich vom Großen Geiger vorbei über das Obersulzbachkees talwärts zogen. Der Steig hinab zum Sulzsee stellte auch keine Hürde dar. Doch der Wiederaufstieg von dort über den Klettersteig zur Kürsingerhütte kostete mich noch mal einiges an Schweiß. Angenehm war jedoch, dass wir am Klettersteig meist ein Stahlseil zur Verfügung hatten, an dem wir uns mit den Händen hinaufziehen konnten und so die Füße ein wenig entlasteten.
Dank des aufwändig angelegten Wanderweges zum Obersulzbachtörl ist der Zustieg zum Ostgrat des Großen Geigers sehr gemütlich. Der nette untere Abschnitt des Ostgrates eignet sich gut zum Eingehen am Blockgrat ehe ganz am Ende des oberen Ostgrates ein paar schöne Passagen auf einen warten. Über den Westgrat geht es ohne große Schwierigkeiten hinab. Ob es schlauer ist, über die Scharte direkt westlich des Großen Geigers abzusteigen oder doch über das Maurertörl kann ich nicht sagen. Möglich und technisch relativ einfach ist beides, zeitlich dürfte es nicht viel Unterschied machen und bezüglich der Spaltensturzgefahr ist vielleicht das Maurertörl etwas sicherer.